
Das Action-RPG Book of the Fallen erzählt von einer zerfallenden Zivilisation, in der längst vergessene Götter zurückkehren. Die Spieler übernehmen die Rolle eines „Lesers“, der uralte Chroniken entziffert und dadurch verborgene Kräfte freisetzt. Die Handlung verzichtet auf einfache Gut-Böse-Schemata und zeichnet stattdessen ein vielschichtiges Bild von Schuld, Opfer und Machtbesessenheit.
Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie die Geschichte aufgeteilt ist: Jedes Kapitel fungiert als eigenständige Erzählung, die jedoch lose miteinander verwoben ist. Dadurch entsteht ein Gefühl von Fragmentierung, das exakt zur zerstörten Spielwelt passt. Die Entscheidungen der Spieler beeinflussen sowohl den weiteren Verlauf als auch die Interpretation der Texte, die sie im Spiel finden. Das macht die Auseinandersetzung mit der Handlung zu einem intellektuellen Vergnügen, ohne dabei die Action aus den Augen zu verlieren.
Die Entwickler haben eine überraschend dichte Überlieferung rund um das titelgebende Buch geschaffen. Jede Passage, die man im Spiel findet, verweist auf andere Ereignisse oder Personen. Wer genau liest, entdeckt Hinweise auf einen weitaus größeren Konflikt, der erst in späteren Kapiteln aufgelöst wird. Diese Form des Worldbuildings funktioniert, weil sie nicht durch Zwischensequenzen erklärt, sondern als spielbare Erfahrung präsentiert wird. So wird die Suche nach den fehlenden Seiten zu einem echten Anreiz, die Spielwelt systematisch zu erkunden.
Optisch setzt Book of the Fallen auf einen ungesättigten Farbton mit starken Kontrasten. Die Umgebungen sind von Ruinen, knorrigen Bäumen und schwebenden Überresten einer Hochkultur geprägt. Die Kamera bleibt meist hinter der Schulter des Helden, was die bedrohliche Atmosphäre verstärkt. Das Licht verhält sich dynamisch und ändert sich je nach Tageszeit – vom kalten Morgengrauen bis zu tiefen Schatten in der Nacht. Auch Wettereffekte wie Nebel oder Nieselregen sind so fein abgestimmt, dass sie die Sichtweise auf die Umgebung stets neu bestimmen.
Die künstlerische Leitung setzt auf eine Mischung aus realistischer Darstellung und surrealen Elementen. Besonders gelungen sind die Kreaturen, die den Eindruck erwecken, einem Albtraum zu entstammen. Ihre Animationen wirken flüssig, aber nicht übertrieben. Die Oberflächen von Rüstungen und Waffen zeigen Kratzer oder Patina, was den Verfall der Welt zusätzlich unterstreicht. Allerdings fällt die Performance nicht immer auf höchstem Niveau aus: Auf älteren Konsolen müssen Kompromisse bei der Auflösung gemacht werden, die jedoch durch einen gut funktionierenden FSR-Modus ausgeglichen werden.
Die PC-Version lief in unserem Test mit einer stabilen Bildwiederholungsrate, auch bei vielen Gegnern auf dem Bildschirm. Gelegentlich kommt es zu Mikrorucklern, wenn große Areale geladen werden. Auf der PlayStation 5 hingegen zeigt sich eine nahezu durchgehende 60-fps-Leistung im Qualitätsmodus. Die Ladezeiten sind mit einer halben Minute etwas lang, lassen sich aber durch die Schnellreise-Funktion umgehen. Insgesamt ist die technische Basis solide, auch wenn wenige Monate nach Release noch kleinere Patches erforderlich waren.
Die akustische Gestaltung von Book of the Fallen ist kein bloßer Begleiter, sondern ein zentraler Bestandteil der Atmosphäre. Die Musik wechselt zwischen minimalistischen Klavierstücken und brachialen orchestralen Einsätzen – je nachdem, ob man sich an einem sicheren Ort oder in einem Kampf befindet. Die Komponisten haben bewusst auf allzu harmonische Melodien verzichtet und setzen stattdessen auf Dissonanzen und ungewöhnliche Rhythmen, die den Verfall der Welt widerspiegeln. Die Partitur bleibt dabei stets melodisch genug, um bestimmte Charaktere oder Orte wiedererkennbar zu machen.
Die Geräuschkulisse ist erstaunlich detailreich: Das Knirschen von Schritten auf Geröll, das Krächzen entfernter Vögel, das Heulen des Winds – all das trägt dazu bei, dass man die Umgebung als lebendig wahrnimmt. Die Sprachausgabe ist in fiktiven, aber verständlichen Dialekten gehalten und wird durch Untertitel ergänzt. Besonders in Kirchen und Grüften erzeugt der Halleffekt eine unheimliche Tiefe, die jede Interaktion mit der Umgebung intensiviert. Dadurch wird das Spiel nicht nur gesehen und gehört, sondern geradezu physisch erfahren.
Book of the Fallen vereint thematische Tiefe mit einer eigenständigen Bildsprache und einem Soundtrack, der lange nachwirkt. Kritisch bleiben die etwas langen Ladezeiten und die stellenweise sehr hohe Schwierigkeit, die vor allem zu Beginn abschrecken kann. Wer die düstere Atmosphäre mag und bereit ist, sich auf die komplexe Erzählstruktur einzulassen, bekommt hier eines der ungewöhnlichsten Action-RPGs der letzten Jahre.
Im Vergleich zu Genre-Klassikern wie Dark Souls oder Bloodborne setzt der Titel stärker auf Lese- und Entdeckungsmomente. Die Schnittstelle zwischen Text und Welt ist die eigentliche Stärke. Deshalb empfehlen wir das Spiel allen, die nach einer dichten Geschichte suchen, ohne dabei auf fordernde Kämpfe zu verzichten. Die technischen Schwächen fallen angesichts des stimmigen Gesamtbilds weniger ins Gewicht – zumal die Entwickler bereits weitere Optimierungen angekündigt haben.
Die Kampagne dauert je nach Erkundungstiefe und Lesedauer etwa 30 bis 45 Stunden. Neben den Hauptmissionen gibt es zahlreiche Nebengebiete und verborgene Textfetzen, die zusätzliche Hintergrundinformationen liefern.
Nein, Book of the Fallen ist eine reine Einzelspieler-Erfahrung. Die Entwickler haben sich bewusst gegen Koop- oder PvP-Elemente entschieden, um die dichte Atmosphäre nicht zu brechen.
Der Titel ist für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S erschienen. Nativ unterstützt das Spiel die aktuellen Funktionen der neuen Konsolengeneration; ältere Plattformen wurden nicht umgesetzt.
Eine grundlegende Story ist auch ohne detaillierte Textlektüre verständlich. Wer die Welt und die Motivationen der Figuren jedoch vollständig erfassen will, sollte die gefundenen Seiten und Chroniken genau studieren.
Das Spiel ist anspruchsvoll, aber fair. Eine Auswahl an unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erlaubt es auch Einsteigern, eine angepasste Erfahrung zu wählen, ohne dass die Grundmechanik darunter leidet.
LarsM
Die Welt hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die düstere Geschichte um das Buch und die gefallenen Götter wird durch die hervorragende Soundkulisse unglaublich authentisch. Ein Grafikwunder ist es nicht, aber der einzigartige Stil sticht trotzdem heraus.
SteffiK
Als Fan von tiefgründigen Action-RPGs bin ich vom Erzähltempo überrascht. Man muss sich wirklich Zeit nehmen und die Texte lesen. Die Kämpfe sind fordernd, aber das Sounddesign trägt einen durch jede Höhle. Leider sind die Ladezeiten der einzige Punktabzug.
NoxNova
Ich spiele auf PC und bin von der technischen Umsetzung größtenteils überzeugt. Die Grafik überzeugt vor allem in den großen Ruinenlandschaften. Der Soundtrack ist meiner Meinung nach das stärkste Element – diese tiefen Streicherklänge bleiben im Kopf.